Stufenwege – Wegestufen

Lebens-Wege gibt es so viele, wie es Menschen gibt; ein jeder ist absolut einmalig und unverwechselbar. Jeder Mensch muß seinen Weg aus eigener Kraft beschreiten. Dabei vollzieht sich der Lebensweg nicht in der Form einer horizontalen Linie, die schnurgerade von der Geburt bis zum Tode reicht. Zu unserem Leben gehört es auch, Höhen und Tiefen zu durchleben. Jeder Lebensweg ist auch ein Stufenweg.  Es ist uns bestimmt, schrittweise, stufenweise hinabzusteigen in dunkle Täler und in mühsamem Aufstieg lichte Gipfel zu erklimmen. In diesem Wechselspiel von horizontaler und vertikaler Dynamik vollzieht sich ein menschenwürdiges Leben. Dabei sind weniger einzelne Höhendifferenzen – Wegestufen –, die wir zu diesem oder jenem Zeitpunkt überwunden haben, von Bedeutung als vielmehr die Gesamtbilanz am Lebensende: Zu welcher Daseinshöhe werden uns die vielen Stufen des Lebensweges emporgeführt haben?

Sich mit dieser Frage bewußt auseinanderzusetzen, ist eine ur-menschliche Aufgabe. Es ist die Aufgabe der Philosophie und praktisch gelebter Spiritualität. Diese ebenso anspruchsvolle wie faszinierende Betätigung führt zu wahrer Lebenskunst – ars vivendi.

Gerne begleite ich Sie mit fundiertem Wissen und jahrzehnterlanger Erfahrung auf diesem Abenteuer.

© Dr. phil. Werner Csech

 

Hermann Hesse

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

 

 Quelle: Nepomuk Karbacher/bilder.n3po.com